Kommunzieren Sie mit Büchern! Rezension von „Umweg Jakarta“

Was hat die Rezension eines Berichts über eine syrische Familienzusammenführung in einem Blog über Kanzleikommunikation zu suchen? Zum einen steht sie hier, weil ich als Bürokollegin der Autorin das seltene Glück hatte, die Story-Genese aus nächster Nähe mitzubekommen. Zum anderen ist Umweg Jakarta ein gutes Beispiel für die Buchgattung Reality-Bericht und ihren Einsatz in der Unternehmenskommunikation. Die vier Themen, die ich näher ausführe, sind Anliegen, Spannung und Stil sowie Tipps rund um die Veröffentlichung.

Aus einem kleinen Gefallen wird eine systematische Rettungsaktion

Der Bericht beschreibt die Familienzusammenführung der syrischen Familie Alkhory. Im Sommer 2015 landet der syrische Familienvater Elias* als Flüchtling am Niederrhein. Dort lernt ihn die Marketinfachfrau Biggi Mestmäcker, die sich im Asylkreis ihres Heimatortes engagiert, als freundlichen und hilfsbereiten Koch kennen.

Ein zurückhaltender Mann in Jeans und blauem Poloshirt fiel mir gleich auf. Er sprach nicht viel, tat aber umso mehr. Ohne viele Worte brachte er sich ein, nahm ein Messer und zerschnitt die Tomaten säuberlich in kleinste Würfel. Wir standen nebeneinander an der Arbeitsplatte in der Küche und ich versuchte ein erstes Gespräch.
„Hello, my name is Biggi“, sagte ich und reichte ihm die Hand.
„Ich heiße Elias, ich komme aus Syrien.“

Engagement gegen willkürliche Vorschriften

Schnell bekommt sie mit, dass den „Mann mit den traurigen Augen“ die Sorge um seine in Damaskus wartende Ehefrau Mari* und seinen kleinen Sohn Joni* drückt, die als syrische Christen gewissermaßen zwischen allen Stühlen sitzen. Biggi Mestmäcker beschließt, ihre Fähigkeiten als Texterin und Netzwerkerin einzusetzen, um der Familienzusammenführung zu helfen.

Was als kleiner Gefallen beginnt, entwickelt sich zu einem fintenreichen Katz-und-Maus-Spiel. Auf der einen Seite kämpfen der syrische Neuankömmling und seine deutsche Helferin, ebenfalls Mutter von zwei Kindern, und ein wachsendes Netzwerk aus Freunden, Kolleginnen, mitleidigen Behördenmitarbeitern und anderen Helfern. Auf der anderen Seite bemüht sich eine Behördenmaschinerie, den nach Geflüchteten und ihren Familien immer größere Hindernisse in den Weg zu legen.

Ein Buch als Plädoyer für die Menschlichkeit

Die letzte Chance für Elias‘ Familie, der Gefahr in Syrien zu entkommen, ist ein Visum der Deutschen Botschaft in Jakarta. Tausende von Kilometern weg von Syrien und von Deutschland. Ansatzweise habe ich vom Nachbarbüro aus das stundenlange bange Warten am PC miterlebt: auf die heißersehnte Rückmeldung des Konsularbeamten in Jakarta…, doch erst der Bericht hat mir die Hochspannung der ganzen Rettungsaktion noch einmal so richtig vor Augen geführt.

Auch wenn der Bericht durchweg klar, fast nüchtern verfasst ist, fiebert man mit. Und wird mit einem Happy End belohnt: Mari und Joni dürfen einreisen und Elias darf sie glückselig in die Arme schließen. Er hat in der Zwischenzeit mit Biggi Mestmäckers tatkräftiger Hilfe einen Hilfsjob als Gärtner gefunden hat und begonnen, sich auf ein Leben am Niederrhein einzustellen.

Mehr Infos zum Buch unter https://umweg-jakarta.de/

*Namen der Geflüchteten im Buch geändert

Welche Erkenntnisse aus dem Buch und der darin verarbeiteten Geschichte lassen sich nun auf die Unternehmenskommunikation übertragen? Im Wesentlichen sind es vier Erkenntnisse.

1.       Nutzen des Buches in der Kommunikation: Spannende Geschichten transportieren Anliegen wirksam zum Leser

Engagierte und zu Herzen gehende Berichte sind seit jeher ein hervorragendes Mittel, einem Publikum das eigene Anliegen nahe zu bringen.  Wenn immer Sie Verständnis für Ihre Tätigkeit wecken möchten, sind Sie gut dran, dies mit einer Geschichte zu tun, die Ihre Tätigkeit nicht nur abstrakt sondern auch emotional nachvollziehbar macht. Echte Geschichten finden einen Draht zum Leser und bringen Ihnen als Autor oder als Autorin sehr viel Aufmerksamkeit. Der wichtige Unterschied bei selber veröffentlichten Geschichten und Berichten: Sie bestimmen, was darin steht. Es macht einen großen Unterschied, ob Sie etwas veröffentlichen oder ob die Medien, das Fernsehen oder gar der Gegner Ihre Geschichte erzählt.

Check: Wozu dient Ihre Geschichte? Litigation PR? Lobbyarbeit? Eigenwerbung? Sympathie?

Biggi Mestmäckers Anliegen hat sowohl eine privat wie eine öffentliche Seite. Auf der einen Seite hat sie Menschen geholfen, die ihr zu Freunden geworden sind. Auf der anderen Seite hatte sie seit Ankunft der ersten Geflüchteten in ihrem Heimatort Schwalmtal das Bedürfnis, auf positive konstruktive Weise an der Integration der hier angekommen Menschen mitzuarbeiten. Seit der Veröffentlichung von Umweg Jakarta ist sie regelmäßig mit Lesungen unterwegs. Eingeladen wird sie von Kommunen, Kirchengemeinden sowie privaten und öffentlichen Einrichtungen, die sich Anregungen für ihre Arbeit mit Migranten holen wollen, oder die sich durch Elias‘ Geschichte bestätigen lassen möchten, dass sie das Richtige tun, wenn sie geflüchteten Menschen beim Neuanfang in Deutschland helfen.

Tipp:

  • Überlegen Sie, mit welcher Story Sie assoziiert werden möchten?
  • Welchem (beruflichen) Anliegen möchten Sie mehr Aufmerksamkeit verschaffen?
  • Wollten Sie Ihrer Person mehr Glaubwürdigkeit oder Transparenz verschaffen?
  • Gibt es einen laufenden Prozess oder ein Gesetzgebungsverfahren, auf den Sie mit Litigation PR oder Lobbying Einfluss nehmen wollen, indem Sie eine Geschichte auf Ihre Art und Weise erzählen?

2.       Finden Sie Ihre Story! Gute Geschichten erkennt man daran, dass man sie gerne erzählt

Es klingt banal und ist doch so wichtig: Eine gute Geschichte wie die in Umweg Jakarta erzählte, hat einen Spannungsbogen, einen Helden respektive eine Heldin und einen Gegner. Man erkennt sie am einfachsten daran, dass man sie gerne erzählt. Wenn es erfolgreiche Prozesse gibt, von denen Sie immer wieder gerne berichten, oder erfolgreich geschlagene Schlachten gegen Gegner, die auch Behörden sein können, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass hier alle Zutaten einer guten Geschichte vorhanden sind.

Der Vergleich zu Romanen liegt nahe. Der berühmte amerikanische Beststellerautor und Ex-Anwalt John Grisham hat dem Anwaltsberuf und zahlreichen Mandanten mit seinen Romanen mehr als einmal ein Denkmal gesetzt. Doch nicht jeder Fall lässt sich in einen Roman pressen.  Oft sind Reportagen oder spannende Berichte aber auch genau so gut oder sogar besser geeignet, ein bestimmtes Anliegen zu transportieren. Vorausgesetzt, sie sind spannend. Dazu mehr im 3. Punkt.

Tipp:

  • Überlegen Sie, welche wahre Geschichte aus Ihrem Berufsleben Sie gerne immer wieder erzählen, wenn Sie privat von Ihrem Beruf erzählen.
  • Gibt es Fälle oder Case Studies, die Sie in Form eines Tatsachenberichts transportieren können?
  • Gibt es eine große Geschichte oder mehrere kleine Berichte von Leuten, denen Sie vielleicht geholfen haben?

3.       Wecken Sie Emotionen! Lieber spannend als literarisch hochwertig

Lassen Sie sich von der vermeintlichen Größe der Aufgabe nicht abschrecken. Spannende Geschichten müssen nicht literarisch hoch anspruchsvoll geschrieben sein. Es reicht, wenn sie sauber und klar erzählt sind. Als Faustformel bei Zeitungsstorys gilt seit jeher: Je spannender die Story, desto weniger sprachlicher Glanz ist nötig, um sie fesselnd zu erzählen. Natürlich ist guter Stil toll, aber guter Stil ist nichts ohne eine gute Geschichte, die Ihre LeserInnen mitreißt.

Dass diese Faustformel zutrifft, sehen Sie übrigens auch an erfolgreichen Romanen. Sowohl Frank Schätzing als auch Stieg Larsson wurden von Buchkritikern als eher holzschnittartige Erzähler geschmäht. Sowohl „Der Schwarm“ wie auch die „Millenniums-Trilogie“ verkauften sich jedoch millionenfach, weil die Geschichten, die sie erzählten, die Leute mitrissen. Schimmern durch Ihre Zeilen Engagement durch und schafft Ihre Geschichte es, dieses Engagement auch in Ihren LeserInnen zu wecken, verzeihen Ihnen diese gnädig die fehlende stilistische Brillanz.

Tipp:

  • Hat Ihre Geschichte Spannungselemente?
  • Gibt es einen Helden oder eine Heldin, mit dem man sich identifizieren kann?
  • Gibt es einen Gegner oder eine Gegnerin?
  • Einen spannenden Wettstreit zwischen Rivalen?
  • Einen Underdog, der sich gegen alle Widerstände durchsetzt?
  • Gibt es Emotionen, die Sie für sich und Ihr Anliegen instrumentalisieren können?

Beispiel Umweg Jakarta

In Umweg Jakarta war es Elias als einzelner Flüchtling, der mithilfe von Biggi Mestmäcker dem „System“ die Stirn geboten hat. Der Gegner waren hier die hastig entworfene und erkennbar unsystematische Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland, die erkennbar unsystematisch die Zahl der Neuankömmlinge zu reduzieren versuchte, indem sie den Familiennachzug erschwerte.

Nur dank Biggi Mestmäckers Pfiffigkeit und Entschlossenheit, sich durch das Dickicht der Vorschriften zu wühlen, konnte Elias seine in Gefahr schwebende Frau und seinen kleinen Sohn in Sicherheit zu bringen. Emotionen, die hier überzeugend im Leser aufgerufen wurden, waren Mitleid, eine gewisse Freude an der Findigkeit, mit der die Heldin Biggi Mestmäcker gegen alle Widerstände, wie es im Buchuntertitel heißt, allen Widerständen die Stirn bietet.

4.       Sie dürfen sich helfen lassen: Lektorat, professionelle Selfpublishing-Dienstleister

Wenn Sie zu der Ansicht gelangt sind, dass Ihre Geschichte es wert ist, erzählt zu werden, können Sie sich ohne Weiteres nach jemandem umschauen, der Ihnen beim Aufschreiben hilft. Die eben erwähnten Bestsellerautoren Stieg Larsson und Frank Schätzing waren vor ihrer Schriftstellerkarriere Zeitschriftenredakteur und Werbetexter, das hilft ernorm.

Wenn Sie Ihre Geschichte selber aufschreiben und kein teures Ghostwriting beauftragen möchten, sollten Sie Ihrem Werk zumindest ein professionelles Lektorat gönnen. Eine gute Geschichte liest sich besser, wenn sie nicht mit überflüssigen Details überfrachtet wird oder wenn der Spannungsbogen schreibhandwerklich korrekt aufgebaut wird. Auch hilfreich: Wenn möglichst wenig Rechtschreibfehler das Lesevergnügen trüben.

Sie müssen nicht in einem renommierten Verlag veröffentlichen. Zum einen wird es angesichts des Siegeszugs von E-Books und der allgemeinen Flut an neuen Büchern immer schwieriger, reguläre Verlage für Buchprojekte zu begeistern. Zum anderen sind E-Books und über Print-on-Demand gedruckte Bücher eine immer bessere Alternative, um Ihre Geschichte Ihren LeserInnen zugänglich zu machen. Relativ preisgünstig zu erstellen sind sie auch.

Tipp:

Infos zum Buch

Titel Buch Umweg Jakarta von Biggi MestmäckerUmweg Jakarta von Biggi Mestmäcker

Deutsch-Arabische Ausgabe

Hardcover, 256 Seiten 22,90 €
Paperback, 256 Seiten 12,90 €
E-book – alle gängigen Formate 4,99 €
https://umweg-jakarta.de
Umweg Jakarta ist überall im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich

 

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