Schwarze Rhetorik: Gutmenschenlektion 2: Erkenne Narzissten

Tough TalkSeit gestern läuft hier im Über-den Tellerrand-Blog die lockere Serie der „Gutmenschenlektionen in Schwarzer Rhetorik“. Hintergrund ist der nicht mehr aufzuhaltende Einzug Trumps ins Weiße Haus, der im Wahlkampf obszöne, vulgäre und beleidigende Sprache salonfähig gemacht hat. Der Grund für solche aggressive Kommunikation ist häufig beleidigter Narzissmus. Doch woran erkennt man Narzissten? 

Wie ticken Narzissten?

Narzissten schwanken zwischen Selbstüberschätzung, auch gesteigerte Selbstliebe genannt, und tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplexen. Also wollen sie grenzenlos bewundert werden. Und wenn sie sich schlecht fühlen, müssen sie zwanghaft andere niedermachen, um sich selber nicht gar so mickerig zu fühlen. Der Narzisst, der auch eine Narzisstin sein kann, ist eigentlich innen quasi hohl. Echtes Selbstwertgefühl oder gar Selbstliebe fehlt. Also muss die außen kommende Anerkennung wie eine stetige Vitamininfusion dafür sorgen, dass die narzisstische Person dieses Loch nicht spürt. Die Fassade der Anerkennung muss perfekt sein. Misslingt der Narzisstin etwas, sucht sie nach immer größeren Rechtfertigungsgründen, um ihr jedes noch so große Versagen zu rechtfertigen.

Zerstörer in Unternehmen und Politik

Ebenfalls hoch ist der Neid auf andere, die womöglich besser sind oder etwas besser können, weil sie der narzisstischen Person das Gefühl geben, mickrig zu sein, weshalb sie diese dann wieder niedermachen müssen. Ein Teufelskreis, bei dem keiner gewinnt. Bis zum bitteren Ende können Narzissten, wenn sie in den entsprechenden Positionen sind, allerdings viel Schaden anrichten. Sind sie Führungskraft in einem Unternehmen oder in der Politik, können sie eine ganze Zeit lang dafür sorgen, dass sie sich gut fühlen. Alle gleich guten oder besseren Kollegen und Kolleginnen ekeln sie über kurz oder lang weg, weil ihr in Wahrheit erbsengroßes Selbstbewusstsein fremde Größe als Angriff empfindet. Übrig bleiben nur noch Ja-Sager und grenzenlose Bewunderer. Letztere sind die Krücken, die das labile Selbstwertgefühl der Narzissten stützen. Dass solche Persönlichkeiten weder dem Unternehmen, noch dem Gemeinwohl nützen, liegt auf der Hand.

Woran erkennen Sie Narzissten?

Unter anderem können Sie narzisstische Persönlichkeiten an ihrer narzisstischen Rhetorik erkennen. Diese besteht naturgemäß aus aggressiver Abwehr und Diffamierung von Kritikern. Denn egal wie begründet die Kritik auch sein mag: für die narzisstische Person ist jede Kritik ein auf Leben und Tod abzuwehrender Angriff auf ihr erbsengroßes Ego. Diese aggressive Abwehr von Kritik kann eskalieren. Bzw. um Kritik von vornherein zu verhindern, neigen Narzissten dazu, vorbeugend alles wegzubeißen, was ihnen gefährlich werden könnte. Dabei sind sie nicht zimperlich, wie man an Donald Trump gesehen hat. Um von seinem eigenen Rentneralter und seiner eigenen gehässigen Art abzulenken, hat er Hillary Clinton ohne jegliches Zögern als alte „hag“, also als alte Hexe beschimpft. Sowas bleibt hängen.

Gemeinerweise ist die aggressive Rhetorik der Narzissten ansteckend. Andere Leute um sie herum fangen an, genauso zu reden, weil es ja offenbar in Ordnung ist und – wie man an Trumps Wahlsieg gesehen hat – sogar erfolgversprechend. Und ihre Rhetorik hinterlässt Flecken. Der SPIEGEL hat das gut mit seiner Titelgeschichte von Montag illustriert: Hillary Clinton und Donald Trump waren beide mit Schlamm befleckt. Wobei eigentlich Trump der Schlammwerfer war. Ich habe von Clinton keine vulgären Beleidigungen gehört oder gelesen. Doch an ihr blieb der Schlamm hängen. Leider zu viel, als dass sie der Mehrheit der Amerikaner noch wählbar erschien.

Lektion 2 gelernt?

Welche Lehre können wohlmeinende Diskutanten im Umgang mit Narzissten daraus ziehen?

  1. Überall, wo extrem aggressive Rhetorik zu hören ist beziehungsweise der Kommunikationsstil sehr aggressiv wird, könnten Narzissten (oder Psychopathen, dazu bald mehr) dahinterstecken.
  2. Narzissten sind vernünftigen Argumenten, geschweige denn Kritik, nicht zugänglich, denn jede Kritik ist ein massiver Angriff auf ihr erbsengroßes Selbst.
  3. Der Glaube vieler Gutmenschen, man müsse die Welt nur aufklären und immer noch bessere Argumente liefern, dann würde alles gut, ist hier ein frommer Glaube, weil Narzissten nicht aufgeklärt werden wollen.

Wie man mit ihnen umgeht, erfahren Sie in einer der nächsten Folgen.

Lesetipp: Tough Talk

„Tough Talk: Die Die rhetorischen Spielregeln zum Überleben im Haifischbecken“ von Marc-Stefan Daniel, Wiley Verlag, September 2016.

 

Nachtrag:

Gerade meldet die Zeit, Trump setze nicht auf Erfahrung, sondern auf bedingungslose Loyalität. Na, ist da wohl ein Narzisst am Werk?: http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-11/donald-trump-kabinett-regierung

Kommentare

  1. Auch wenn Trump-Bashing im Moment sehr angesagt ist, der Abschnitt ist Quatsch.

    Trumps Rhetorik gegenüber Hillary ist im Gegenteil durch ein ganzes Team entworfen, an Testpublikum immer wieder ausprobiert, dann evaluiert und verfeinert worden. Daraus entwickelte sich Brands. Wie z.B. crooked Hillary. Hillary the liar kam nicht so gut an, wurde dann verworfen.

    So bitter wie es ist, dahinter steckt duchgeplantes Kalkül, kein Narziss. Vielleicht doch, kann man nicht sagen, aber das stände dann in keinem Zusammenhang zur Vorgehenshweise..

    Wer suchet, der findet (Quellen). Sind genug vorhanden.

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